Aktiv, passiv, und alles was dazu gehört ...Eigentlich gibt es zu
aktiv und
passiv an sich nicht viel zu sagen. Wie schon im letzten Beitrag angesprochen worden ist, aktiv ist beim Sex der Penetrierende, passiv der, der penetriet wird. Interessant sind hier aber die vielen Begriffe, die für die jeweilige Postition des Partners verwendet werden. Wie nennt man jetzt jemanden, der in der Beziehung der männlichere ist und nicht umbedingt im Bett? Wollen wir das mal klären.
Ladies first, fangen wir mal bei den Frauen an. Ja, unter Lesben gibt es Begriffe für die
Rollenverteilung (siehe auch unter
bonus bei links). So sind eher maskulin auftretende Lesben
Butch (auch
Dyke oder
KV, "Kesser Vater"), und betont weibliche Lesben
Femme (sprich 'Famm'). Es ist schwer, Butch und Femme genau zu definieren. Im Allgemeinen gilt aber eine Lesbe im Anzug und mit kurzen Haaren als Butch, und eine geschminkte Lesbe im anliegenden Kleid als Femme. Natürlich gibt es nicht nur die Butch-Femme Verteilung, auch Butch-Butch und Femme-Femme sind durchaus gängig.
Hier noch ein paar Begriffe:
Lesben, die sich nicht auf eine Verteilung festlegen, nennt man
Switcher.
Femmes, die auf andere weibliche Frauen stehen, nennt man
Lipstick Lesbians.
Butches, die nicht zwingend lesbisch sind, nennt man
Tomboys. Also... Frauen und Mädchen, die sich gerne männlich anziehen, Videospiele spielen, als Kinder auf Bäume klettern und sich im Dreck wühlen [...].
Butches, die richtig hardcore männlich sind, heißen
Stone Butches. Oft mögen es diese Lesben nicht, an ihren 'leider' weiblichen Genitalien angefasst zu werden, sie befriedigen lieber ihre Partnerin. Diese Lesben verachten ihr Geschlecht, binden sich oft die Brust ab. Es gibt auch den Begriff
Stone Femme, die genaue Bedeutung ist mir aber unbekannt. Anscheinend eine Femme, die auf Stone Butches steht.
Es gibt noch viele andere Begriffe wie
Macho Femme, Soft Butch, Chopstick Lesbians, Boi, Sissy [...], auf die ich aber heute nicht genauer eingehen möchte.
Butchy gibt es übrigens auch als Adjektiv; es bedeutet im lesbischen Sinn männlich, wie man sich denken kann.
Dann gibt es noch
Top & Bottom. Diese beiden Begriffe werden sowohl unter Homos wie auch unter Heteros verwendet. Es spielt keine Rolle welches Geschlecht Top und Bottom haben.
Die Begriffe kommen aus dem
BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism, auch SM, Sado-Maso, Kinky Sex oder Ledersex). Top, ist derjenige, der in einer Rollenspielszene die
aktive Rolle einnimmt, Bottom der mit der passiven. Top meist
Sadist, Bottom meist
Masochist. Zwingend ist es aber nicht. Es gibt Bottoms, die gerne den Sklaven spielen, sich aber nicht gern verprügeln lassen. Auch gibt es Bottoms, die gern
Bondage oder
Flagellation (Auspeitschen) mögen, ohne dass sie sich einem Top unterwerfen. Meist ist es sogar so, dass der Bottom die Anweisungen für den Top gibt. Hier ist das Spectrum also wieder ziemlich weiträumig.
Auch hier gibt es übrigens den Begriff
Switch. Wenn Top und Bottom wechseln, nennt man sie Switch oder Switcher.
In der Schwulenszene bedeutet Top und Bottom eher aktiv und passiv (oben und unten), muss aber nicht immer der Fall sein.
Unter
Shonen-Ai/Yaoi- und Japanfans sind die Begriffe
Uke und
Seme gebräuchig. Der Seme (im Deutschen so viel wie "Angreifen") ist hierbei die männliche Version einer Butch, der Aktive, der Uke (auf deutsch "Empfänger") die Femme, der Passive. Allerdings gibt es im Shonen-Ai und Yaoi Unterschiede; Im Shonen-Ai kann ein Seme gepoppt werden ohne gleich ein Uke zu sein, oder ein Uke vergewaltigen, und dabei noch typisch ukig sein (was ich allerdings bisher nur einmal gehen habe...). Im Yaoi wird eigentlich immer der Penetrierende als Seme und der gepoppte als Uke bezeichnet. Vielleicht kommt es daher, das im Yaoi die Story so wie so nebensächlich ist?
Traurig nur, dass es im Shojo-Ai/Yuri keine Begriffe für die Rollenverteilung gibt. Da hat die japanische Frauenunterdrücken wieder seine Finger im Spiel gehabt. Sad, sad, sad.
In China war bis 2001 die Homosexualität als eine
Geisteskrankheit angesehen. Es gibt dort keine homosexuellen Festivals oder Demos. Unter Lesben gibt es P und T - nicht direkt eine Rollenverteilung, aber lest selbst.
Auszug aus 'L-MAG':
"[...] Am Auffälligsten in der Szene ist die starke Unterscheidung von Frauen in P und T. Man wird in Gesprächen ziemlich schnell danach gefragt, ob man selber denn T oder P sei. Dazu muss man wissen, T steht für 'Tomboy', und P steht für 'Po', das chinesische Wort für Ehefrau. Am ehesten lassen sich diese Begriffe wohl mit Butch oder Femme übersetzen, aber eine Chinesin erklärte uns den Unterschied so: "Wenn du T bist, musst du den Ps viel Geld geben. Ps gibt es viel seltener, sie sehen aus wie 'richtige Frauen'". Weil sie so seltener seien, wollten sie wie Prinzessinen behandelt werden. Ps wüssten außerdem, dass sie auch Männer bekommen könnten und viele Ts, deshlab könnten sie machen, was sie wollten.
Wir wurden übrigens schließlich in die seltenen Kategorie Bu fen, der Unentschiedenen, eingeordnet. [...]
Lesbische Frauen in China bezeichnen sich selbst als 'Lala'."[Für Korrekturen, Fragen, Zusätzen, Lob, Kritik, Vorschläge und Hassbriefe sind wir natürlich immer offen.]